Zier dich doch nicht so, du Flittchen…

Dies ist kein pikanter Groschenroman, sondern die Geschichte über eine Gaslaterne. Noch eine. Ich weiß. Nach meinem Glücksgriff Ende letzten Jahres (bekam eine der alten Gaslaternen so gut wie geschenkt) schreibt mir der Senior nun eines Morgens eine E-Mail mit dem Betreff „Gartenlampe“. Ich öffne den Link und siehe da. Eine andere Gartenlampe wird angeboten, noch ein Stück älter als die, die wir schon haben, und diesmal sogar mit einem wunderschön verzierten Mast. Uiuiui!

Ich bin völlig aus dem Häuschen und während ich mich frage, wie viel Geld mich das Fräulein dafür wohl ausgeben lässt, ist die Mail mit meiner Frage schon raus, wie viel die Anbieterin denn dafür haben will. Die Antwort, ja, die erfreut mich doch sehr: „Hallo, die Gartenlampe ist umsonst abzuholen. Sie ist allerdings im Boden, vermutlich Beton eingelassen und müsste ausgegraben werden.“

MEINS. Nur, wer jetzt schnell ist, gewinnt den Jackpott und ich überlege schon, wann ich losfahren kann, denn ich weiß: Die bedrohlichen Ebay-Kleinanzeigen-Geier kreisen schon. Kurz darauf schreibt mir die Anbieterin bereits, dass sie die Anzeige jetzt raus nimmt, weil die Anfragen überhandnehmen. Sie reserviert die Lampe für mich. Donnerstagnachmittag darf ich sie holen. Zwar muss ich dafür früher aus dem Büro – aber das ist ein Notfall, das versteht auch mein Chef. Manchmal muss man Prioritäten setzen.

Pfusch Senior begleitet mich und ist gut ausgestattet: Hammer, Meißel, Abbruchhammer, Flex, Handschuhe und viele weitere Sachen zum Ausgraben und Heimbringen. Leider gibt es auf dem Grundstück keinen Strom. Unserer Schlagbohrmaschine entlocken wir mit dem Spannungswandler am 12-Volt-Zigarettenanzünder nur ein müdes Lächeln. Mit Hammer und Meißel versuchen wir unser Glück, geben aber recht schnell wieder auf. So habe ich mir das aber nicht vorgestellt! In meiner Vorfreude hatte ich der Spenderin schon eine Packung Merci und eine Flasche besten Rotweins mitgebracht – und nun muss ich ohne Lampe das Feld räumen. Arm an Schoki und Wein.

Wenigstens darf ich es wieder versuchen. Sie lässt das Tor des Grundstücks unverschlossen, sodass ich jederzeit kommen könne, um mein Glück weiterzuversuchen. UND WIE ICH DAS WERDE.

Vier Tage später bin ich wieder vor Ort. Ausgerüstet mit einem Makita-Schlagbohrer und drei Akkus. Nach einer halben Stunde sind die drei Akkus und ich völlig am Ende. Ich gebe ein zweites Mal auf und fahre traurig nach Hause.

Unser Heizungsbauer ist ein cooler Typ. Deshalb stattet er uns nun mit schwerem Geschütz aus. So machen sich nun also ein Abbruchhammer, ein benzinbetriebenes Stromaggregat und ich zum dritten Mal auf den rund 40 Kilometer weiten Weg. Und heureka, dem schweren Gerät hat das Betonfundament nichts mehr entgegenzusetzen. Es zerbricht nach und nach in kleine Stücke. Ich halte mich derweil an die aktuelle Hornbachwerbung: „Schwitz es raus“. Nach einer Stunde Plackerei kann ich einen messbaren Erfolg nachweisen. Der Mast lässt sich bewegen und mithilfe meines gesamten Körpergewichts kann ich ihn schließlich auch umwerfen. DIE GLANZSTUNDE DES HERRN PFUSCH!

Das war es dann aber auch wieder. Ich bin nicht nur überrascht, wie tief der Mast einbetoniert war, sondern auch wie schwer Gusseisen tatsächlich ist. Meine Hulk-Stärke versagt. Mein Einstein-Plan, ihn auf dem Autodach zu transportieren, ebenfalls. Ich packe also zusammen, verschließe das Loch und lasse den Mast zurück. Mal wieder.

Der coole Heizungsbauer mit dem schweren Geschütz wird noch cooler und bietet an, mir bei dem Transport zu helfen. Beim nächsten Pfahl-Besuch mit ihm zusammen kann ich gar nicht so schnell gucken wie dieser plötzlich in unserer heimatlichen Einfahrt liegt. Ich sag´s mal so, als schnelles Schnäppchen hat sich der Mast nicht unbedingt entpuppt, aber Blut, Schweiß, Tränen und mein Hexenschuss haben sich gelohnt, denn ich freue mich riesig über meinen Schatz und die nun folgende Restauration.

2 Kommentare zu „Zier dich doch nicht so, du Flittchen…

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  1. Den Blog zu lesen, ist immer wieder ein Genuss. Schade eigentlich, dass das Projekt irgendwann mal fertiggestellt sein wird und dann gibts nichts mehr zu lesen. Naja, vielleicht gibt es dann ein anderes Projekt über das zu schreiben ist. Kompliment!

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