Über Falten, Farben und Fassaden

 

„Jetzt sag mir mal. Was bringt deiner Frau der tollste Lippenstift und die schönste Frisur, wenn sie ohne Schuhe aus dem Haus geht?“ (Herr Pfusch Senior, 2018)

Nein, unser Pfusch Senior ist kein Styleberater, er spricht nur gerade mit unserem Anstreicher. Dieser kann sich bedauerlicherweise nicht daran erinnern, dass zu seinem Job auch gehörte, die Fensterlaibungen vor dem Streichen abzuschleifen. Deshalb nimmt ihn sich Pfusch Senior gerade zur Brust. Mal wieder.

Nicht das erste „Kommunikationsproblem“ im Verlauf unseres neuesten Abenteuers: Fassaden-Facelift und einmal Anmalen, bitte.

Weil von der Dacharie noch ein riesiges Gerüst ums Haus „übrig“ ist, nutzen wir das natürlich knallhart aus und kümmern um die Fassade des Hauses, die ein paar deutliche Risse aufweist. Das kommt daher, dass das Haus kein Fundament hat und die Kellerwände direkt auf der lehmigen Erde stehen. Bei starkem Regen zieht der  Lehm Flüssigkeit und quillt auf. Das Haus erhöht sich. Trocknet er wieder aus, geht es wieder herunter. Nach über hundert Jahren regelmäßigen Auf und Abs versteht man, dass das Haus jetzt ein bisschen zerknittert aussieht – vor allem unter den Fenstern. Das ist ein bisschen wie bei uns Menschen, denke ich. Erste Fältchen zeigen sich halt um die Augen. Ich habe aber natürlich auch die echte Erklärung dafür, falls sie jemand hören will.

Beim Haus entstehen die Risse vor allem unterm Fenster, weil die Wand eine gewisse Festigkeit hat, durch die Ziegel und den Putz, und sich daher anders bewegt als die Fenster und Fensterlaibungen. Bewegt sich die Wand zwei Zentimeter nach oben, gehen die Fenster nicht ganz mit, vielleicht nur einen Zentimeter. Zwischen den Stühlen steht dann die arme Fassade, hin und hergerissen bleibt ihr letztlich nicht viel übrig als, ja, zu reißen.

 

Ein Facelift soll es also sein. Auf unsere Ausschreibung melden sich mal wieder alle Arten von Bewerbern. Ich verliebe mich sofort in den teuersten, ich kann nichts dagegen tun! Mit seinem professionellen Briefkopf, dem detaillierte Angebot, den Angaben, welches Material genutzt werden wird – ich liebe ihn! Und er liebt Geld. Und so können wir ihn uns nicht leisten.

Den Zuschlag bekommt dann das „Anstreicher-Duo“, zwei gestandene Herren, die unser Dachdecker empfiehlt und die vor allem eines sind: in unserer Preisklasse. Von Papier halten die Jungs nicht viel. Lastenheft? Brauchen sie nicht. So sitze ich etwas dumm da mit meinen akribisch aufgelisteten Einzelpositionen und bitte mich selbst um ein wenig Vertrauen.

Und mein Vertrauen wird direkt bestraft: NATÜRLICH wäre meine Akribie hilfreich gewesen. Denn schon zu Beginn machen die Zwei eigentlich, was sie wollen und wie sie es wollen.

Fensterumrandung?
Für alle die, die es nicht wissen – auch für euch, liebes Malerduo, hier noch einmal – wir haben einen Altbau. Da haben die Fenster Umrandungen aus Sandstein, die meist eine andere Farbe haben als der Rest des Hauses. Wir haben uns hierzu nächtelang den Kopf zerbrochen, welche Farbkombination es werden soll. Und haben uns für einen Cappucino-mit-extra-viel-Milch-Ton und eine Fensterumrandung in Weiß entschieden. Doch als ich eines Tages vorbeischaue, sehe ich, dass die Zwei gerade alle Fensterumrandungen wegspachteln. HAAAAALT! Zurück! Das gehört so! Wieder ab damit, sofort! Und gerade rechtzeitig, bevor das Fräulein Wind davon kriegt, können sie alles wieder auf Null setzen.

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Das Duo wird zum Single
Plan war, den Kalkstein um die Fenster sorgfältig instandzusetzen, abzuschleifen, zu versiegeln und DANN Weiß zu streichen. Nicht aber andersherum. Pfusch Senior erwischt das Duo, wie sie mit der weißen Farbe auf die Laibungen zusteuern. Es kommt zum Eklat und wir verlieren die Hälfte des Duos. Der verbliebene Single fängt am nächsten Tag wieder bei Null an. Aber das kennt er ja schon.

Pfusch Senior ist in Bestform
Der Sandstein und der Putz sind naturgemäß aus unterschiedlichem Material. Der Übergang vom Putz zum Sandstein muss sauber sein, sonst sieht das schnell nach Pfusch aus. Der übriggebliebene Single muss also auf Anordnung von Pfusch Senior auch hier nachbessern. (Uns wäre das nicht weiter aufgefallen, aber ich trage meinen Namen ja nicht zum Spaß). Zwischen Putz und Sandstein wird also eine Schiene eingesetzt, die einen akkuraten Übergang garantiert. Sieht ziemlich, ziemlich gut aus. Danke, Senior!

 

Die Unterseite des Daches?
Tja, in meinen Unterlagen stand das ziemlich klar drin. Weil ich aber ja der einzige Leser meiner Dokumente bin, ist der Dachüberstand, den wir gern Weiß haben wollten, plötzlich Dunkelbraun. Nichts, aber auch wirklich nichts an diesem Haus sollte jemals Braun werden, so viel steht fest. Woher diese Farbwahl kam, ob sich die Maler im Baumarkt einfach selbst etwas ausgesucht haben, das kann ich nicht sagen. Aber ich musste mal wieder schnell retten, was zu retten ist. Nach drei dicken Schichten Weiß erinnert auch an dieses Malheur gottseidank nichts mehr. Außer meine grauen Haare.

Ende gut, alles gut
So. Drei Wochen später. Das war doch ein Klacks! Das Haus sieht richtig bellissima aus und vorneweg 80 Jahre jünger. Wir sind sehr zufrieden – auch wenn ich vielleicht eine Nuance dunkler gewählt hätte. Der Single ist auch zufrieden mit seiner Arbeit und wir mit ihm. Immerhin haben er und die Helfer immer schnell alles ausgebessert, was verbockt war. Das ist ja auch viel wert.

Aktueller Status: Außen hui, innen pfui!

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2 Kommentare zu „Über Falten, Farben und Fassaden

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