Schön muggelisch – Bau eines Sitzfensters

Als Kind entwickele ich einen gewissen Tick. Es gibt für mich nichts Schöneres als bei einem Gewitter mit einem riesigen Schirm auf dem Balkon zu sitzen, eingekuschelt in eine Decke und Studentenfutter zu schnabulieren. Dann, in meiner ersten eigenen Wohnung, wohne ich unterm Dach und mein Bett steht genau unter einem Dachflächenfenster. Bei einem Gewitter lasse ich dieses immer ein Stück weit offen und freue mich über einzelne Tropfen, die mich treffen. Pfusch junior aka Baby versuche ich auch schon zu überzeugen und so sitzen wir zuletzt, noch in unserer Wohnung, bei einem starken Gewitter auf dem Balkon und lauschen dem Regen. Er ist angetan, nur das Studentenfutter fehlt uns beiden für den perfekten Moment. Was hat das mit der Haussanierung zu tun. Ja gar nichts aber ist eine schöne Geschichte. 🙂

Nun ja, ein wenig Bezug hat das aktuelle Projekt schon. Denn das Fräulein mag große Fenster und wünscht sich für das „Kaminzimmer“ ein großes Fenster in Richtung Garten. Bekommt Sie natürlich.

Mit einem Fenster alleine ist die Sache aber nicht zu Ende gedacht und so plane ich seither eine gemütliche Sitzgelegenheit in das Fenster zu integrieren. In diesem Fenster, so male ich mir aus, werde ich dann künftig sitzen wenn es gewittert und Stundentenfutter naschen. Die Evolution des Spleens sozusagen. Umrandet werden soll das ganze dann von einem komplett wandbedeckendem Regal, dass alle unsere ihre Bücher beherbergt. Zwei Jahre lang plane ich, mache Skizzen, schaue mir adäquate Vorbilder auf Pinterest an um dann, als wir einziehen zu erfahren, dass das Fräulein das nicht möchte. Sie habe Angst, so sagt sie, dass das Regal das Fenster und den Blick nach draußen zerstören. Wir diskutieren, nein wir streiten und am Ende kommt es zu einem Kompromiss – einem für mich faulen. So darf ich unterhalb des Fensters ein Regal bauen. Über die Umrandung würde man dann später reden. Und wie so oft frisst der Teufel in dieser Not die Fliegen und ich mache mich ans Werk. Es muss mein Meisterstück werden, da ich insgeheim glaube, dass sie es nur unter der Annahme verbietet, dass ich (gut, der Gedanke liegt nahe) etwas hinpfusche, dass so gar nicht nach einem Pinterest schreit.

Die Konstruktion ist recht einfach. Zwei richtig dicke Bretter von 4 cm- Fichte weil günstig – als Sitzfläche. Daneben Regalbretter – weil günstig – als Regalkonstruktion. Da sich unterhalb des Fensters eine Heizung befindet, muss die Sitzfläche mit Löchern oder anderen Öffnungen bespickt sein, sodass die Wärme nach oben ziehen kann. Weiterer Punkt, der bedacht werden muss, ist, dass das Regal nicht komplett bis an beiden Außenwände reichen darf, da ich die Befürchtung habe, dass es durch die dann fehlende Luftzirkulation und Holz direkt an Wand zu Schimmel kommen kann. Der Rest ist einfach. Holz zuschneiden mit einem „Jig Hole“ Löcher bohren und dann zusammenschrauben. Das Problem hierbei bildet wieder mal die unser Boden, da der leider nicht ganz so gerade ist wie gewünscht. Auch die Wände sind nicht wirklich 1000 % gerade und im 90° Winkel zueinander. Aber ich bemühe mich und komme recht schnell voran.

Während des Baus entscheide ich dann gegen Löcher und für Schlitze in der Sitzbank. Dabei denke ich mir ein imaginäres Maß für die Schlitze von 2,5 cm Breite mit einem Abstand von jeweils 5 cm aus. Problem hierbei: Fichte ist ja ein Weichholz und nachdem ich den ersten Schlitz ausgesägt habe, bemerke ich, dass die Stabilität des Holzes keinen besonders vertrauenswürdigen Eindruck erweckt. Ich habe dummerweise schon alle Löcher (stellen den Beginn des Schlitzes dar) und so kommt es, dass ich die Schlitze nur alle 10 cm ausschneide und dazwischen jetzt die „Startlöcher“ von meinem Pfusch zeugen. Vielleicht mach ich die irgendwann mal zu, aber ich glaube der Blick auf diesen Fehler „verwächst“ sich.


Nun gut. Am Ende noch wahllos Bücher reinstellen, das Sitzbrett ölen, ein bissi viel (Acryl) zwischen die Spalten und fertig ist die Laube. Wir sind begeistert. Ich und allem voran alle anderen. Jetzt wo das Regal steht, wird mir immer weniger klar, warum das Fräulein denkt, dass ein komplettes Regal den Blick zerstören würde. Aber gut, vielleicht liest du das ja, hast nen guten Tag und erlaubst mir den zweiten Teil. Ach und wenn du schon dabei bist mir Sachen zu erlauben. Ich hätte gern nen 65 Zoll Fernseher. Danke!

2 Kommentare zu „Schön muggelisch – Bau eines Sitzfensters

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