Hoch hinaus – Treppenbau im Bad

Wir schreiben das zweite Semester des Masterstudiums. Ich bin es nach einem Semester leid, die 3/4 Stunde nach Darmstadt zu pendeln und bin umgezogen. In ne ziemlich verranzte Wohnung und so musste ich erst mal renovieren und mich in den eigenen zwei Zimmern einrichten. Kommilitonen mobben mich seither und bezeichnen die Zeit als „ach das war doch das Baumarktsemester“, um mich an meine nicht erreichten Scheine und Übungstestate zu erinnern. Einige Jahre und eine gefühlte Ewigkeit später – ach herrje, wie die Zeit vergeht – ziehen wir in unser eigenes Haus. Mein Arbeitgeber hält so gar nichts von „Baumarktsemestern“ und so muss ich erst ein Kind bekommen, um mal nen Monat von der Arbeit fern zu bleiben. Und wie die Eltern da draußen wissen; so ein Kind macht ja kaum Arbeit, schläft eigentlich nur und ist grundsätzlich ja eher dankbar. Heißt ich hab ne Menge Zeit. Grund genug mit dem Bau der Balkontreppe zu beginnen.

Denn aktuell heißt es noch: Balkon ja, Treppe nein, und so behelfen wir uns noch immer mit Stühlen oder einer kleinen Leiter mal auf unseren Balkon zu kommen. Getreu dem Motto planen kann jeder (Siehe hierzu: Stairway to …; oder wie ich eine Treppe plane), machen muss man, überschlagen Junior und ich die benötigten Materialien und fahren in den Baumarkt. Die ganzen Schischilösungen aus alten Balken, Bahnschwellen, Stahl oder Beton lassen wir hinter uns und entscheiden uns für eine simple Konstruktion.

Einfache Form, schwierige Planung

Die Einkaufsliste besteht dabei aus:

  • Pressspanplatten 3x 180Hx 30B
  • Fichteregalbretter 10 x 25cm T x 120B
  • Schrauben
  • Kanthölzer

Lack und Öl haben wir noch über und so komme ich am Ende auf Materialkosten von knapp 90 Euro. Ich bin an der Kasse selbst überrascht, wie wenig das ist und freue mich, dass ich somit nur einen Bruchteil von einer maßgefertigten Treppe ausgebe. Mit Bruchteil meine ich ein Zwanzigstel. Denn bei der Nachfrage bei einem Schreiner war das die Höhe, mit der ich zu rechnen hätte. Nun gut. Mit dem Kauf der Materialien ist noch keine Treppe gebaut, aber das wird schon. Immerhin habe ich perfekt und wiederholt ausgemessen und bin mittlerweile ja Fachmann im Basteln.

Zuerst muss die Unterkonstruktion gebaut werden. Diese besteht aus den drei Spanplatten, auf die später die Stufen genagelt/geschraubt werden. Stabilität bekommen Sie durch die Kanthölzer und der einen oder anderen Schraube in der Wand.

Ich zeichne meine Stufen möglichst genau auf die erste Platte, schraube die drei Rohlinge aufeinander und schneide los. Als ich wieder im Bad bin und die drei Teile positioniere, fällt mir auf, dass gut 5 Zentimeter bis zur eigentlich gewünschten Höhe fehlen. Warum? Ja, vermessen hab ich mich nicht und so bleibt nur die Option, dass sich das Haus seit der Messung auf der einen Seite um 5 Zentimeter gesetzt hat. Zumindest versuche ich das dem Fräulein zu verkaufen.

Das Zusammenzimmern funktioniert ohne Plan – überall wo ein Kantholz dazwischen passt, schraub ich eins rein und so steht nach einem ersten Tag auch schon die Unterkonstruktion. Der Rest ist recht schnell erzählt. Leimhölzer auf die Treppe legen, anzeichnen, abschneiden, verleimen und festnageln. Hierbei kommt mir zu gute, dass die Stufen genau 25 cm tief sind und ich hier nicht schneiden muss. Am Ende braucht es noch eine „Planke“, die die Seite verdeckt. Hier wird es knifflig, da ich es natürlich nicht schaffe, 100 % die Maße der Treppe auszuschneiden. Aber mit etwas Schleifpapier und Geduld klappt auch das.

Mit dem Schleifstaub, gemischt mit Leim verdecke ich dann die Löcher zwischen den Hölzern und die Einschusslöcher der Nagelpistole. Dann wird abgeklebt und die Treppe wird auf ihren Trittstufen geölt. Wichtig hierbei: Immer vor dem Lackieren mit Farbe ölen; bei unserer Treppe im Flur hab ich es anders rum gemacht und die bereits weiße Farbe hat an den Rändern teilweise das Öl „aufgesaugt“ und sich verfärbt. Sehr ärgerlich.

Als letzten Schritt noch etwas Acryl zwischen Mauerwerk und Treppe und das Werk ist vollbracht. Die erste Stufe ist etwas höher als die restlichen um die 5 cm oben halbwegs zu kaschieren. – aber so what – das Haus ist so vollgepfuscht, da würde ein letztes perfektes Projekt aus dem Rahmen fallen. Mein „zweites Semester ich“ klopft mir auf die Schulter und wir sind froh, den Balkon jetzt auch ohne weitere Hilfsmittel begehen zu können.

3 Kommentare zu „Hoch hinaus – Treppenbau im Bad

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  1. Wow das ist eine tolle Treppe geworden! 🙂
    Bei mir steht das renovieren der Holztreppe an und ich hatte mich hier auf der Seite von Kemmler schon mit lauter Infos versorgt. Allerdings ist noch nicht klar, ob ihc das selber machen kann und bei Kosten von bis zu 2000€ allein fürs Schleifen bin ich doch etwas stutzig geworden…Aber bei so einem inspirierenden Artikel kribbelts mir direkt in den Fingern, eine komplett neue Treppe zu bauen! 😀 Bei den Materialien würde ich preislich ja mit Sicherheit drunter liegen!
    Genieß die Zeit auf dem Balkon!

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    1. Naja der Neubau einer gesamten Haus Trepe würde ich vllt nicht anraten 🙂 aber abschleifen geht auch – haben wir auch gemacht. 2000 Euro sind „utopisch“ wenn man es selbst macht. Mit Material, Werkzeug, Farbe würde ich mal je nach Anzahl der Stufen richtung 500-1000 tendieren (+ Arbeitsleistung)
      Ps habe mal den link rausgenommen – nicht das hier uns eine indirekt/direkte Werbung vorgeworfen wird. Viele liebe Grüße!

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