Stairway to…oder wie ich eine Treppe plane

Gelacht haben sie, als es hieß, der Balkon werde dann vom Badezimmer aus begehbar sein. Laut gelacht und den Kopf geschüttelt. Alle miteinander. Aber nun wird der Zugang zu unserem neuen Balkon die Kirsche auf dem Eisbecher des guten Geschmacks und die einst Belehrenden zu stillen Kindern in den Ecken.

Dabei plane ich die alten Holzbalken des Dachstuhls, die bei den Arbeiten am Dach rausgerissen wurden, als Treppenstufen wiederzuverwenden. Ganz im Sinne des Recyclings und der Wiederverwendung (#upcycling) der im Haus verbauten Materialien. Die Idee hatte genau so lange Bestand bis Pfusch Senior eines Spätsommertages auf die Idee kam, aus den Balken Brennholz zu machen.

Nächste Idee: Stufen aus Beton. Nachdem ich bereits das Podest für die Waschmaschine im Keller gegossen habe, hab ich meine Meisterprüfung ja quasi abgelegt. Da ist eine selbsttragende Treppenkonstruktion wohl ein Spaziergang. Oder? Nach einer Unterhaltung mit einem Arbeitskollegen lasse ich den Gedanken aber schnell wieder fallen, da unseren Deckenbalken das Gewicht einer Treppe aus Beton wohl nicht zuzumuten ist. Selbst wenn es nur sechs Stufen sind.

Auch sehr geil! Treppe aus Beton

Aber erfreulicherweise ist Kreativität ja kein Fremdwort für mich und mir kommt eine weitere herausragende Idee. Ich werde alte Holzschwellen aus Bahngleisen verbauen. Die sind billig und haben obendrein die perfekte Tritthöhe/fläche. Geil angedacht, aber leide wieder nix. Denn wenig später muss ich erfahren, dass Bahnschwellen, zumindest die alten, mit Hochdruck voll Chemie gepumpt wurden und eine Wiederverwendung im Innenbereich sogar verboten ist. Uuuups…!

Letzter Ausweg heißt eBay Kleinanzeigen. Und dort Eichenbalken aus nem Abriss oder unbehandelten Bahnschwellen suchen. Gibt es zwar, aber entweder zu weit weg oder preislich ziemlich abgehoben. Und so mache ich mir, den perfekten Schnapp abwartend parallel Gedanken zu Treppenstufen Marke Eigenbau, z.b. der Schrittmaßregel.

Kopiertes Wissen „Ein“:

Ein Mensch legt im Spazierschritt circa 63 cm zurück – außer das Fräulein beim Flanieren, da sind es nur 52. Auf den 63 jedoch basieren letztlich alle Treppenkonstruktionen nach DIN 18065. (Die DIN ist uns an der Stelle ziemlich Wurscht, die hat bestimmt auch eine zickige Schwester, die sagt, dass man keinen Balkon vor das Bad bauen darf.) Steigt man aufwärts, unterstellt man nur halb so viel wie in der Horizontalen. Das ist der sogenannte Auftritt. Zählt man nun die doppelte Steigungshöhe plus Auftritt zusammen, ergibt das 59 bis 65 cm. Eine bequeme Wohnhaustreppe steigt somit bspw. 18 cm und hat einen Auftritt von 27 cm.

Drei Berechnungs-Formeln für die optimale Höhe von Treppenstufen gibt es: Die eine berücksichtigt das „natürliche“ Schrittmaß, die zweite die Sicherheit auf der Treppe, und die dritte die maximale Bequemlichkeit; also extraflach.

  • Schrittmaßregel: 60 ≤ A + 2×S ≤ 66 (d.h. im Mittel 63)
  • Sicherheitsregel: 45 ≤ A + S ≤ 47 (d.h. im Mittel 46)
  • Bequemlichkeitsregel: A − S = 12 (d.h. im Mittel 12)

A = Auftritt = Tiefe der Stufe / S = Steigung = Höhe der Stufe

Regel 1,2 oder 3. Ich merke ziemlich schnell, dass das eigentlich egal ist, denn am Ende hat sich die Treppe den äußeren Gegebenheiten anzupassen und nicht andersherum. Diese Gegebenheiten heißen hier: Es ist eng, da ist eine Heizung im Weg, aber vor allem: Ich muss mich nach dem Werkstoff richten, den ich bekomme.

Dazwischen ist das Fräulein in jedem Fall ziemlich genervt weil ich wieder Stundenlang vorm Rechner sitze und „visualisiere“.

2 Kommentare zu „Stairway to…oder wie ich eine Treppe plane

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  1. Wie siehts aus? Was macht die Konstruktion. Bin fast täglich auf eurem Blog in der Hoffnung dass es endlich was neues zu lesen gibt 🙂

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