Fussleisten als ein Schmankerl

Als wir das Haus zum ersten mal besichtigen bin ich begeistert von den schönen alten und vor allem hohen Trittleisten, die noch wundervoll anmutend gerade und bündig an der Wand hängen. Als es dann Richtung Abriss geht, muss ich sie wohl oder übel entfernen, da diese vor dem Verputzen und der Fussbodenaufbereitung den Weg versperren und ein sauberes Arbeiten verhindern. So versuche ich, die Fussleisten geduldig und mit dem nötigen Fingerspitzengefühl zu entfernen. Diese sind noch auf eine altertümliche Art und Weise an der Wand befestigt. Dabei wurden seinerzeit Holzklötze in die Mauer eingelassen und an diese dann mit ordentlich langen Nägeln die Fußleisten angebracht. Ist definitiv für die Ewigkeit gemacht, nicht dazu sie mal kurzfristig abzubauen und dann wieder anzubringen und so leiden die Leisten enorm unter dem Ausbau. Die Revitalisierung der Bestandsleisten erschwert weiterhin, dass durch die zuzumauernden Türen am Ende Leisten fehlen würden und einige durch 100 Jahre feuchtes Mauerwerk ganz schön verrottet sind. Der Plan des Recyclings wird also irgendwann verworfen und so kommt es dazu, dass ich sie schweren Herzens, nach nem halben Jahr im „Baustofflager“ (#Garage), entsorge.

Seither suche ich immer wieder mal nach Trittleisten mit so einem Profil. Das Internet hält dabei viele verschiedene Modelle bereit. Allerdings keine aus Echtholz, weiss lackiert und in der gewünschten Höhe von mindestens 15cm. Einen Anbieter finde ich dann doch, muss aber wegen des nicht stemmbaren Preises (1m Leiste = 21 EUR!!!) weiter suchen. Das Feld lichtet sich und am Ende muss ich von den hohen Leisten Abstand nehmen. Das maximal arschwingliche und auffindbare sind 8 cm hohe Leisten. Allerdings bin ich bei denen so gar nicht von der Farbgebung begeistert, da diese maschinell lackiert nicht wirklich nicht zu unseren frisch seidenmatt lackierten Türen passen. So kommt mir die Idee einfach Fichtenleisten zu kaufen und diese dann zu selbst lackieren. Hierbei bieten die beiden großen Baumärkte in unserer Nähe recht günstige (ca. 3,00 der m) Leisten an, die in Form und Höhe akzeptabel erscheinen, zumindest aber nicht schlechter wirken als die bei „Fachhändlern“ aus dem Netz.

Gesagt getan und über mehrere Etappen 75 Leisten gekauft, heisst es dann diese zu lackieren. Zwei mal Holzgrundierung und dann mit Weisslack. Ja, was soll ich sagen – das Ergebnis sieht genau so aus wie unsere Türen. Selbstgemacht. Kann man scheisse finden, finden wir aber nicht und so gehen wir dann recht schnell den nächsten Schritt an.

Der Vorteil daran so lange eine Baustelle zu haben, ist dass sich die Investitionen für Geräte weitläufig verteilen und so bin ich mittlerweile wunderbar ausgestattet. Dank dem Fräulein habe ich seit meinem Geburtstag letztes Jahr eine ordentliche Kapp- und Gehrungssäge mit portablem Tisch und seit diesem Geburtstag einen Flüsterkompressor inkl. Nagelpistole. Mit diesen beiden, so denke ich mir wir das ein Kinderspiel. Ja, und dann kam der Wirt.

Den Wirt stellt in diesem Zusammenhang unser Boden, gepaart mit unseren „Wänden“, dar. Diese sind von der ganzen Sache nicht ganz so begeistert und machen sich krumm, so dass zwischen Anfang und Ende einer Leiste bis zu 1cm Höhenunterschiede bestehen. Davon unbenommen ist das auf Gehrung schneiden auch mit der besten Maschine nicht ganz so einfach wenn man eine ausprägte Winkel-linksrum-rechtsrum-negativausschnitt- Schwäche hat. So fallen einige Leisten einer falschen geschnittenen Richtung zum Opfer. Über die zu überbrückenden Höhenunterschiede wird gefachsimpelt. Leisten abschleifen? Abschlussleisten kaufen, lackieren und anbringen? Am Ende wirds – bei meinem Namen kein Wunder, Gewalt und Acryl. So verbiegen wir die Leisten so weit wie möglich und ballern dann zwei lange Nägel in die Wand. Das Acryl erledigt den Rest und kaschiert den Pfusch.

Am Ende und nach einer erneuten Lage Lack sieht das ganze ganz schön, auch wenn ich lerne, dass Acryl recht schnell dreckig wird. Aber juut…is auch egal.

3 Kommentare zu „Fussleisten als ein Schmankerl

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  1. Also, ein bisschen Gewalt und ordentlich Pfusch gehört schon zum Baustellenleben dazu, finde ich. Kann mir die Situation sehr gut vorstellen und gratuliere zum Ergebnis. Sieht richtig toll aus mit den schönen Dielen. Das Acryl muss noch mal gestrichen werden, hab ich mal gelesen. Über die Jahre wird es sonst nämlich schnell gelb und siffig. Soweit meine Internetkenntnisse für euch 😀

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