Konstruktionswunder Haustür

Anfang des neuen Jahrtausends: Das Abitur in der Tasche wusste ich nicht so recht, wohin mich mein berufliches Leben mal führen soll. Deshalb nutzte ich das Angebot des Arbeitsamts, um an Infoterminals Berufe, deren mögliches Einstiegsgehalt, Einstiegschancen etc. zu recherchieren. Zu dem Angebot gehörte auch ein persönliches Gespräch mit einem Mitarbeiter, der einem noch mal super geheime Infos – unter der Hand sozusagen – zuschanzte. Bei mir war das Frau Frötzel (Name geändert). Leider hielt die Frötzel gar nichts von meinem geheimen Favoriten, nämlich Architekt. Wenn ich da keinen Top Abschluss machen würde, meinte sie, könne ich mein restliches Leben Garagen planen. Und wenn das einer weiss, so dachte ich mir, dann eine vom Amt und entschied mich gegen das Architekturstudium.

Ich denke oft daran, wohin mich mein Leben geführt hätte, wenn statt Frau Frötzel eine architekturliebende Person mit mir gesprochen hätte. Aber ich schweife ab. Frau Frötzel, dieser Beitrag ist für Sie. Den Beruf haben sie mir madig gemacht, die Liebe aber nicht nehmen können 🙂

Sommer 2018: Wir haben ein altes Haus mir einem klassischen Hausflur. Man betritt das Haus, muss dann auf Sandsteintreppen vier Stufen nach oben und ist dann erst im Erdgeschoss. Das macht das Haus in seiner Grundstruktur nicht wirklich zu einem klassischen Einfamilienhaus. Weiterhin zieht es kalt aus dem tiefliegenden Eingangsbereich und dem angrenzenden Keller in unsere Diele. Schnell ist der Plan gefasst, dass wir eine Art Windfang oder Schleuse bauen, um es uns buckeliger zu machen. Die Planung und erste „Skizzen“ gibt es unter Auf freier Flur

Die Umsetzung des Projektes brennt mir schon lange unter den Nägeln und eines Tages entscheide ich mich dazu, diesen Windfang jetzt einfach zu bauen. Und zwar in Form einer zweiten Tür unmittelbar vor der Diele. Gut, der andere Grund, warum ich jetzt anfangen muss, ist, dass am kommenden Montag der Verputzer seine Arbeit beginnt (Gott, was war ich naiv) und der Rahmen der neuen Tür schließlich im Putz eingelassen werden soll. Also los gehts. Zuerst heisst es Abreissen. Der Türrahmen ist etwas breiter als der Bereich, wo er hinsoll. Konkret ist da ein Teil einer Treppenstufe im Weg, die nun fachmännisch von mir entfernt werden muss. Es ist ein Wahnsinn, wie stabil und durchdacht die 120 Jahre alte Treppenkonstruktion ist. Und so dauert es ein Weilchen bis der Pfosten entfernt und die besagte Stufe angepasst ist. Warum diese Stufe aus Sandstein ist, wohingegen alle weiteren aus Holz sind, bleibt ihr Geheimnis.

Dann beginnt die Bemaßung. Gut, dass wir einige Türen übrig haben, die wir jetzt verwenden können. Die Wahl fällt auf eine der ehemaligen Wohnungstüren. Mit etwas gutem Zureden passt sie an ihren neuen Platz. Als Türrahmen nutzen wir ebenfalls die alte Konstruktion der Wohnungstür und müssen sie nur etwas zurechtstutzen.

Nach dem Zuschnitt schleife ich am neuen Türrahmen noch flott die alte Farbe ab und die Hochzeit zwischen Tür und neuem Türrahmen kann stattfinden. Dabei versteifen wir den Rahmen nach der Hochzeit mit Brettern, so dass dieser sich beim Einbau nicht verzieht und die Tür danach noch reinpasst.

Als alles dann steht, wirkt es auf uns ziemlich wackelig. Das ist irgendwie auch nachvollziehbar. Immerhin gibt es nur eine einzelne Mauer, an der sich der Rahmen anlehnen kann. Wir behelfen uns mit drei Latten, die wir mit der Unterseite der Treppe verschrauben. Die Seite auf der innenliegenden Treppe hat keinerlei Befestigungspunkt und wird später erst durch den Trockenbau seine Stetigkeit erreichen. Die Tür passt in jedem Fall schon mal rein und lässt sich brav auf und zu machen.

Nur schlappe vier Monate später ist unser Verputzer/Trockenbauer dann auch endlich soweit, das Loch in unserem neuen Windfang zu schließen. Aber wie? Wir philosophieren über Steifigkeit, Rigipsstabilität und Holzkonstruktionen und nach gerade mal zwei Tagen steht die Konstruktion. Das alte Geländer nutzen wir dabei als Stabilisator und beplanken es von innen und aussen mit Rigipsplatten. Zwischen den Geländerstäben werden weiterhin OSB Platten eingefasst, so dass die Konstruktion noch etwas stabiler wird.

So. Fertig. Wir hatten zwischenzeitlich befürchtet , dass die neue Tür den Dielenbereich vielleicht eng und dunkel wirken lassen würde. Aber wir sind recht angetan. Ich möchte nicht behaupten, dass sich die Arbeit nahtlos in den Raum einfügt und man das Gefühl erlangt, das wäre immer so gewesen, aber zumindest wirkt es auf uns nicht störend und wir sind froh, diesen Plan gefasst und umgesetzt zu haben. In diesem Sinne, Frau Frotzeleien: Nimm das! Von wegen Garagen! Ich kann auch Türen.

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