Wenn die Hoffnung stirbt: unser neuer Super-Verputzer

Lang, lang ists her, dass ich Zeit, aber vor allem Lust hatte, etwas zu schreiben. Der Grund. Die Hoffnung starb klammheimlich. 

Rückblick: Wir stoppen unsere Zusammenarbeit mit Hans Guck in die Luft (dem Verputzer, der das leider nicht konnte) und plötzlich steht uns die Welt offen. Neuer Elan, neue Freude sind geboren. Und die Hoffnung, nein, das Wissen, dass wir mit unserem nächsten Handwerker alles richtig machen werden. Wir haben aus unseren Fehlern gelernt und wissen, worauf wir bei unserem Gegenüber achten und vor allem, wie wir mit ihm umgehen müssen. Entschuldigt an der Stelle meine Ignoranz in puncto  Gendern, aber mir fällt gerade auf, dass wir in der nunmehr anderthalb Jahre andauernden Baustelle und zugehörigen 100 Gesprächen noch nicht eine Handwerkerin zu Gast hatten. Da muss sich mal was ändern.

Über eine Empfehlung kommen wir auf unseren neuen Verputzer/ Trockenbauer. Der Bobbele. Bobbele hat alles, was man braucht. Zwei Firmenwagen, eine Visitenkarte, 4 feste Mitarbeiter, eine Architektin als letzte Auftraggeberin und ein iPhone X mit vielen Fotos von gerade abgeschlossenen Baustellen. Als er nach der zweiten sehr guten Besichtigung vom Hof geht, bin ich begeistert. Er schließt sanft jede Wunde, die mir Hans guck in die Luft zugefügt hat. Er spricht von Loyalität, dem guten Ruf des Handwerks, Kommunikation, Verpflichtung gegenüber dem Kunden und natürlich von Qualität. Aber die Angst steckt noch tief und ich denke, wenn der wieder ein Griff ins Klo ist, verkaufen wir das Haus. Dann bin ich fertig mit euch!

Nun. Ich hab mein Versprechen nicht gehalten. Bobbele ist ein Griff ins Klo. Wobei Klo es an der Stelle noch nicht ganz trifft. Bobbele ist das öffentliche Dixieklo auf einem Hardcore-Festival, das aus Ekel auch von betrunkenen Männern gemieden wird.

Und so geht die Geschichte. Unser Bobbele ist eine Art umgedrehter Superheld, denn:

Bobbele hält keine Termine ein. Und sagt sie auch nicht ab.
Bobbele hängt nach drei Tagen unentschuldigten Fehlens einen Zettel ans Hoftor mit der Notiz an mich, er sei telefonisch nicht erreichbar, aber am kommenden Montag werde es auf jeden Fall losgehen. Bobbele kann lügen, ohne rot zu werden. So spricht Bobbele von Lieferschwierigkeiten. Ich finde heraus, dass er gar nichts bestellt hat, was zu liefern wäre. Bobbele hat vier verschiedene Telefonnummern. Ran geht er bei keiner. Bobbele trägt Gucci Schuhe. Bobbele ist nebenbei auch Immobilienmakler und Autohändler. Bobbele kann im Handumdrehen aus drei Wochen neun machen. Zauberei! Bobbele hat ein kaputtes EDV System. Bobbele wartet auf seinen neuen Handyvertrag und hat nur Prepaid. Bobbele hat gerade eine knallharte Steuerprüfung und keinen Zugriff auf sein Konto. Bobbele spricht von Vertrauen und Loyalität und kommt am nächsten Tag 3 Stunden zu spät. Bobbele fragt drei mal nach einem Vorschuss. Bobbele bietet einen Fixpreis an, stellt uns aber nachträglich Materialkosten in Rechnung.
Bobbele hat es geschafft, dass ich mit mir selbst rede.

Ich könnte noch weitaus mehr Superkräfte von Bobbele aufzählen. Aber es hilft nichts, der Senior hat Recht, wenn er sagt: Augen zu und durch. Ich schließe die Augen und hoffe, dass er einfach irgendwann fertig ist (Deadline, Termine? Egal!) und ich ihn nicht mehr sehen muss. Und eines lasse ich ihm ja: Die Arbeit, die er und seine Leute leisten, wenn sie einmal kommen, ist nicht schlecht. Manchmal unkoordiniert und nicht nachvollziehbar, aber im Ergebnis wirklich akzeptabel.

Nach einem letzten Gespräch haben wir nun einen fixen Fertigstellungstermin vereinbart – diesmal wirklich (!) fix. Und falls er den Termin nicht hält, behalten wir täglich 100 Euro seiner Rechnung ein. Ist das der Weg, den ich mal gehen wollte? Nein. Aber zumindest ärgere ich mich nicht mehr ganz so schlimm, wenn ich mal wieder einen Tag vergeblich auf ihn gewartet habe. Offenbar hat Bobbele noch eine weitere Superkraft: 100 Euro mehr oder weniger machen Bobbele gar nichts!!

11 Kommentare zu „Wenn die Hoffnung stirbt: unser neuer Super-Verputzer

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  1. Hey, bin heute auf Euren Blog aufmerksam geworden als ich die Suchbegriffe „Handwerk“ und „Blog“ in einer Suchmaschine eingegeben hatte. Finde es sehr bedauerlich und als jemand, der sich beruflich sehr für das Handwerk stark macht, auch ärgerlich, welche Erfahrungen Ihr in Eurem aktuellen Beitrag (ist zugegebenermaßen der Einzige, den ich auf Euren Blog bisher gelesen habe) schildert. Wünsche Euch viel Erfolg bei Eurem Projekt und dass ihr auch bald mal Gelegenheit habt, über positive Handwerkererfahrungen zu schreiben.

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  2. Wie gut, mal wieder von Euch zu hören! Hatte mir schon Gedanken gemacht… Aber dein Beitrag erklärt natürlich alles… 😦 Ihr habt echt das Glück gepachtet… Ich hoffe, dass der Verputz-Wahnsinn bald endlich ein Ende hat!! Drücken Euch die Daumen und wünschen Euch ein paar schöne Feiertage!!!

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  3. Wir haben auch ein altes Haus gekauft und bald fängt der Sanierungswahnsinn an. Euren Blog habe ich von vorne bis hinten gelesen und schwankte dabei ständig zwischen „oh mein Gott“ und „wie amüsant zu lesen“. Mal schauen, was uns noch erwartet! Ich würde mich riesig über weitere Erfahrungsberichte als Blogeinträge freuen, nicht zuletzt, um bei dem altzutoll-Prozess eures Hauses weiter mitzufiebern.

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    1. hallo Theresa, danke für deinen Kommentar. mach dir keine Sorgen. mit dem Blog schreiben ist es wie mit dem „Hygiene Effekt“. Man merkt sich halt eher die schlechten Dinge. Weiterhin – unser Interesse ist es eben nicht nur shiny, highgloss Fotos und Beiträge zu verfassen von denen es definitv auch viele Momente gibt —denn eins bleibt das Sanieren so oder so: eine anstrengende und nervige Sache. Und punkt 3. Wir sanieren das erste Mal, haben kein Karteiregister an „guten Handwerker“ und so lernen wir übers Scheitern. Alles in allem kann ich aber sagen: solang kein grober Unsinn gemacht wird oder sogar eien Gefährdung entsteht, muss mans nehmen wies kommt und darüber Schmunzeln. und seien wir ehrlich. genau das macht doch auch ein bisschen das Sanieren eines alten Hauses aus…toi toi toi in jedem Fall bei eurem Projekt.

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  4. Leider arbeiten im Bereich Sanierung zu viele Leute welche zu wenig Ahnung haben.
    Termintreue sowie saubere Arbeit ist einigen ein Fremdwort. Dies wird sich in Zeiten in den es mal wieder weniger für uns Handwerker zu tun geben wird rächen.

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    1. Ahnung hatte er schon, aber durchtrieben war/ist er. naja, auch hier lernen wir schritt für schritt und stück für stück dazu…ist halt einfach schade für die Handwerkskunst als solches, da man als Kunde schnell beginnt über einen Kamm zu scheren und den gesamten Berufsstand diskreditiert.

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  5. Oh je. Bis jetzt haben wir eine 50prozentige Trefferquote mit unseren Handwerkern. Hatten allerdings auch erst zwei Gewerke da. Sowas zu lesen ist immer ein bisschen erschreckend. Warum handelt man so, wenn man doch Kohle verdienen will? Bobbele soll es verraten.

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  6. Ach, was weiss ich. ich bin mittlerweile an dem Punkt an dem ich mir die Frage nach dem Warum nicht mehr stellen darf, da mir dann immer schwindelig wird – ähnlich der Frage wo,das Universum endet. Kann man machen, gibt nur Kopfschmerz.

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