C6H12O2 – Abbeizen unserer Kassettentüren

Die Türengewerkschaft ist empört! Durch den Umbau haben wir mal eine Tür zugemauert oder mal aus der Tür einen Durchbruch gemacht. Weg sind sie. Am Ende bleiben 13 Türen bei uns, vorher waren es 24. Aber so ist das nun mal mit Umstrukturierungen. Da müssen eben einige dran glauben. Zwei Wohnungstüren bekommen eine Umschulung und werden gemeinsam zur Schiebetür zwischen Wohn- und Esszimmer. Darüber werde ich noch berichten. Zuerst einmal heißt es nun die 120 Jahre alten verbleibenden Türzargen und Türen von ihrem Lack zu befreien. Über den Beginn dieses Unterfangens bzw. mein Versagen in selbigem habe ich bereits informiert

Auch wenn ich mit meinen neuen und bis heute treuen Abziehern kleine Erfolge feiern konnte, so ist der Krieg gegen den Lack noch nicht gewonnen. Es warten noch 13 Türen auf mich.

Und weil Geld nicht immer alles ist und man ja auch seine eigenen Arbeitsstunden dagegen rechnen muss (danke für diese weise Bemerkung, lieber Freund), entscheiden wir uns, die Arbeit von einem Profi machen zu lassen.

Der Profi ist ein Restaurator, der sich selbst als „erste Adresse“ beschreibt, wenn es um das fachgerechte Entlacken von Holz geht. Aus meinem Kurzzeitgedächtnis habe ich euch die folgenden Informationen zusammengetragen.

Das Ablaugen ist neben dem Abschleifen und Abbrennen des Lacks eine langbewährte Variante des Entlackens. Meistens wird beim Ablaugen das Werkstück in Tauchbäder, gefüllt mit Lauge, gelassen. Unser Restaurator hält so gar nichts von dieser „antiquierten“ Variante, da sich das Holz bei dieser Methode ziemlich mit Lauge vollsaugt und sich dabei etwaige Leimverbindungen lösen und sich die Laugerückstände nur schwierig aus den Poren des Holzes herauswaschen lassen. Dagegen sei das Kammersprühverfahren der neuste Schrei, erklärt er mir. Das Verfahren arbeitet mit den gleichen Mitteln, allerdings einer anderen Verarbeitung. So wird in diesem Verfahren die Lauge in einer Kammer auf die Türen gespritzt. Und das immer und immer wieder. Durch diese dauerhafte Laugendusche und das stetige Abschwemmen erfolge eine sehr intensive Bearbeitung des Restlacks. Damit einhergehend sei die Prozedur schneller und somit für alle Beteiligten, insbesondere unsere 13 Türen, besser.

Hand drauf, so machen wir das. Nach einer Woche kann ich die Türen schon wieder abholen. Und das Ergebnis? Ja, das ist ok. Einige Türen sehen aus wie frisch aus der Schreinerei , andere haben noch etwas Lack in den Fugen, den ich auskratzen muss. Alles in allem bin ich zufrieden mit dem Ergebnis.

Jetzt gibt es den ein oder anderen, der sagen mag, dass man solch alte Kassettentüren nicht mit solchen Chemikalien behandeln sollte, da sonst, egal, ob im Tauchbad oder Kammerverfahren, das Holz leidet. Nachdem ich aber die Türrahmen nach meiner mechanischen Methode gesehen habe, muss ich sagen, dass die Abbeizervariante zumindest oberflächlich dem Holz weniger angetan hat. Aber darüber sollen sich die Gelehrten streiten. Wir sind froh, dass jetzt alle Holzteile im Haus lackfrei sind und wir irgendwann dann mal mit dem Lackieren beginnen können. Sneak: hieraus könnte, wenn mich meine Sprühpistole nicht enttäuscht, ein neuer „Mein Bester Freund Beitrag“ erwachsen.

2 Kommentare zu „C6H12O2 – Abbeizen unserer Kassettentüren

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  1. Ach, sind die toll! Das hat sich wirklich gelohnt, finde ich. Klar ist abbeizen ein chemischer Eingriff in das natürliche Holz, aber so kann es ja jetzt erstmal wieder atmen 😉 Wäre dann ölen oder wachsen nicht eine Überlegung wert, statt sie neu zu lackieren?
    Deine Erfahrung mit der Sprühpistole würde mich auch interessieren, wir überlegen nämlich auch gerade, ob die Anschaffung lohnt und es wirklich soviel besser/einfach ist als mit Pinsel oder Rolle.

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    1. Hallo Heike, danke für Deine Kommentar. Ja, Ölen und oder beizen wäre eine Alternative die auch von vielen Besuchern abgestimmt wird. Zweierlei Gründe sprachen aber dagegen. 1) ich finde holztüren in Summe zu „bäuerlich“ – das erinnert mich immer an eine Almhütte. 2) ich kenne Altbauten immer nur mit weiß lackierten Türen – das ist also irgendwie mein Bild des „so muss es sein“. 🙂

      Soo und nun zur sprühpistole. Ich sag mal so: ich hab mir für den Bau schon unbrauchbarere Utensilien gekauft. Wofür eignet sie sich: Kalk an kellerwände anbringen. Außenwand „streichen“ und/oder Fußleisten lackieren. Aber zum Türen lackieren habe ich mich letztlich für die Handarbeit entschieden. Zum einen verzeiht die Maschine nur wenig Fehler. Sprich mischverhtnis aus Wasser und Lack müssen stimmen und, und das war letztlich der ausschlaggebende Grund. Man brauch massig, staubfreien und im besten Fall windfreien Platz. Und dann hat man noch das Problem, des abdeckens, des Wendens usw. ich hab zwei Türen auf die Weise lackiert und das Ergebnis ist auch ok und vor allem (ging das schnell) aber aus benannten Gründen war es dann doch Pinsel und eimer.

      Lg

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