Meine neue Fugenpistole

Ich bin mal wieder an meinem Lieblingsort unterwegs. Dem Keller. Oder besser, dem ausgewachsenen Kellergewölbe. Ich bin gerne hier. Es ist dunkel und ruhig und ich kann meiner Leidenschaft nachgehen. Fugen. Geil für mich, geil für euch, denn so gibt es mal wieder eine astreine Empfehlung aus der Kategorie „Mein neuer bester Freund“.

Alles begann mit einer kleinen Erfindung. Nicht die erste in meinem Leben. Viele der größten Erfindungen der Neuzeit gehen auf mein Konto. Reich wurden damit leider immer die anderen. Stolz bin ich trotzdem. Zum Beispiel auf

  • die Don’t call your Ex -App aus dem Jahr 2008. Ich wollte eine Lösung finden gegen das lästige Betrunken-die-Ex-Anrufen, worunter ich viele meiner Freunde damals litten. Mithilfe einer Kombination aus Geschicklichkeits-, Rechen- und Reaktionsspielchen auf dem Handy sollte ausgeschlossen werden, dass der Handybesitzer zu betrunken ist, um erwachsene Entscheidungen zu treffen. Diese eine oder mehrere Nummern, die man dann auf keinen Fall anwählen sollte, sollten dann gesperrt sein. Ich muss meine Idee wohl mal dem einen oder anderen  erzählt haben, denn kurze Zeit später… naja, ihr könnt das googeln.
  • den Kinderwagenshaker aus dem Jahr 2006. Ich hatte damals eine Frischmama in der Familie, die im Kaffee immer nur mit einer Hand essen und trinken konnte, weil sie mit der anderen am Kinderwagen zu wackeln hatte. Nur so ließ sich das Baby davon überzeugen, dass es noch geschoben wird und fing nicht an sich aufzuregen. Dummes Baby. Arme Mutter. Genialer Herr Pfusch. Mein neuer Kinderwagen sollte sich wie ein Aufziehauto beim Fahren aufladen und dann im geparkten Zustand bei Bedarf vor sich hinbrummen. Ebenfalls googelbar. Leider auch hier gebaut und vermarktet, ohne mich zu fragen.
  • Chickens Best, die Fast Food Kette für Menschen, die wissen was das Beste für sie ist. Nämlich selbstverständlich die knusprige Haut des Hühnchens. Wer will den ganzen trockenen, faden Rest? Eben. Meine Idee: Haut als Abfallprodukt billig bei Großmetzgern erwerben, grillen und Portionsweise verkaufen. (Diese Idee bitte nicht weitersagen, ich bin da noch dran!)

Ihr seht also, in mir schlummert großes Potential. Diese Kraft nutze ich auch beim Hausbau. Eines Abends im Keller drücke ich mal wieder umständlich eine Portion unbeugsamen Mörtel mit der Kelle zwischen zwei Steine als ich

ICH war es. Hör auf zu lügen. Fräulein hier. Ich habe gesagt, das müsste man doch da reinspritzen wie ein Zuckerbäcker die Glasur. Warum du so etwas nicht hättest. Diese Plackerei mit der Kelle hält doch kein Mensch aus. Vielleicht hatte ich auch Süßhunger.

Aber ich habe sie dann blitzschnell gebaut: eine Pistole, mit der man den Mörtel (wie bei Acryl) zwischen die Steine pressen kann. Perfekt! Und dieses Mal lasse ich mir den Ruhm nicht entgehen, denke ich mir, und fahre schnell nach Hause, um meine Erfindung sofort patentrechtlich schützen zu lassen. Sie soll „Pfuschs Fugenpistole“ heißen und sie wird wunderschön und uns einen ordentlichen Geldsegen bringen.

Drei Minuten später habe ich mir eine „Mörtelpistole“ (super unprofessioneller Name) bei Amazon bestellt. Irgendwer hat mir da wieder die Idee geklaut. Gerissene Biester.

Mörtelpistole wird gepimpt

Zwei Tage später halte ich das Paket in der Hand und muss schon sagen, mir gefällt die große, bunte Verpackung mit dem schönen Schriftzug ziemlich gut. Dumm nur, dass das Gerät einen Konstruktionsfehler hat, wie ich schnell feststelle. Die Kartusche hat einen Durchmesser von vielleicht 4 Zentimeter. Der Schieber allerdings nur von 3. Das führt leider dazu, dass der Mörtel nicht vorne rausgeschossen kommt, sondern hinten. Tolle Erfindung. Muss ich also doch selbst ran. Im Baumarkt werde ich nach längerem Suchen  nach etwas, womit ich den fehlenden Umfang stopfen kann, in der Elektroabteilung fündig. Die Lösung sind Putzdeckel, die normalerweise Unterputzdosen vor Verunreinigung beim Verputzen schützen sollen, aber 1A in mein Rohr passen.

Zwei gekauft und ab nach Hause. Das Rohr muss ich jetzt etwas kürzen. Putzdeckel ist eingesetzt, und mein neues Werkzeug und ich gehen ab wie nichts.

Es gibt aber noch andere Dinge, die sich auf den Erfolg meiner Arbeit auswirken, allen voran die Munition. Ich brauche etwas Zeit, bis ich das optimale Mischungsverhältnis des Mörtels gefunden habe. Faustformel: Fließt der Mörtelmatsch am Plastikrohr hinab und hinterlässt eine Spur, dann ist er noch zu flüssig. Beim Abrutschen ohne Spur ist er perfekt.

Mein neues Gerät macht die Arbeit so leicht, dass es mir zeitweise sogar richtig Spass macht. Für knapp 20 EUR kann man meines Erachtens mit dem Teil nichts falsch machen. Man muss eben noch einmal nachrüsten, das können natürlich nur die Erfinder unter uns, ist ja ganz klar. Aber jetzt wisst ihr, was ihr dafür braucht.

 

 

 

 

 

 

 

2 Kommentare zu „Meine neue Fugenpistole

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