Farbe, Fenster, Fassade!?

Wie ich einst im Kunstunterricht gelernt habe, gibt es drei Primärfarben: Gelb, Rot und Blau. Die kann man miteinander mischen – dann entstehen alle weiteren Farben. Aber wer hätte denn gedacht, dass man daraus so unendlich viele Farben mischen kann? Das macht die Farbwahl für die Fassade nicht leichter.

Der nette Mensch, der uns eine Farbkarte mit 300 Farbmöglichkeiten in die Hand drückt, findet, dass wir uns ruhig Zeit lassen sollen. Bleibt ja ne Weile, die Farbe, nicht wahr? In der Tat! Jeden Tag muss man ja sein Haus anschauen. Ich meine, das Fräulein hat sich mal eine blaue Winterjacke gekauft, weil „das Blau mal was anderes war und so fröhlich aussah“. Ich sage nur: Nie angezogen. Warum? Weil wir es eben letzten Endes lieber unauffällig mögen. Basta. Aber auch das unauffällige Spektrum der Farbkaskaden beinhaltet noch gut und gerne 150 Töne.

Und jetzt kommt der Clou. Wir machen es uns ja nicht leicht. Oh nein, wir brauchen nicht eine, nicht zwei, sondern drei fünf Farben. Na, eine für die Fassade, dann eine für die Umrandung der Fenster (sogenannte Fensterlaibung) und dann noch für den Sockel. Das Dach und die Fensterläden nicht zu vergessen. Das muss ja auch irgendwie zum Farbkonzept passen. Damit wären wir bei einer möglichen Kombinationsvielfalt von: ich trau mich es gar nicht zu schreiben – irgendwas mit Fakultät von 150. Stellt euch also schon mal auf einen langen Beitrag ein.

Wir wollen was Helles. Das Fräulein will das ganze Haus „weiss wie ein Krankenhaus“ streichen. Komplett. Aber wir kamen gemeinsam zu der Einsicht, dass krankenhausweiß an barocken Stilaltbauten mit vielen Spuckspielereien wirklich toll aussieht. Das einzige, das unser Haus allerdings an Verspieltheit zu bieten hat, sind die Fensterlaibungen aus Sandstein. Also effektiv nüscht. Krankenhaus ist also nicht drin.

Also ist Abgucken angesagt. Nie haben wir auf dem Weg zur Arbeit so oft Nahtoderfahrungen auf dem Fahrrad erlebt wie in den letzten Wochen. Man sieht so viele gute Kombinationen rechts und links des Weges. Manchmal macht man ein Handybild, meistens glaubt man, man merkt es sich einfach so. Man merkt es sich nie.

 

 

Leider trifft es keine der Kombinationen so richtig. Meistens, weil es eben die erwähnten Stil-Altbauten mit Schnick-Schnack sind, die halt in jeder Farbe gut aussehen. Die Jacke von Ryan Gosling aus Drive (guter Film übrigens) sähe an mir halt nicht obercool sondern höchstens affig aus. So ist es auch mit den Farben. Wir müssen also gut aufpassen, was wir unserem Normalohaus anziehen werden!

Unsere Sammlung an Gesehenem und falsch Erinnertem ergibt dann eine Annäherung an das, was wir wollen: Hell, unauffällig, klassisch, nicht bunt, weiß rund um die Fenster, Fassade irgendwie schlammig. Sowas in der Art. Ach, und vielleicht dunkelgrüne (sehr dunkelgrüne) Fensterläden.

Mit diesem Wissen und fehlendem Vorstellungsvermögen geht es nun ans Visualisieren. Die großen Farbhersteller bieten dem potentiellen Kunden natürlich ein Onlinetool, mit dem man sogar ein eigenes Foto hochladen kann. Die Angebote im Überblick:

  • Fassaden-Konfigurator von Caparol: Möglichkeit, ein eigenes Foto zu nutzen, aber etwas kompliziert in der Anwendung. Mit Gimmiks wie „Harmonie übernehmen“, die das Haus mit der Farbe, die man als letzte gewählt hat, „harmonisch“ einfärbt
  • RÖFIX Fassaden-Konfigurator: Möglichkeit, ein eigenes Foto zu nutzen. Allerdings umständlich in der Handhabung und nur wenige, schlecht sortierte Farben zur Auswahl
  • HASIT Fassadenberater: gleiches Tool wie bei Röfix.
  • Farbtonberater von Weber :fällt raus, weil kein eigenes Foto hochladbar
  • maxitKreativ Farbkonfigurator: gleiches Tool
  • Knauf Farbcenter: auch wieder ohne die Möglichkeit auf ein spezifisches Bild
  • epromod Interaktiver 3D Fassadendesigner: sieht aus wie windows 98 und braucht java. Konnte ich also nicht testen
  • Brillux Farbdesigner: mit Abstand das ausgereiftetste Tool mit Möglichkeit auf eigene Bildauswahl und Einfärben der verschiedenen Flächen. Kann man machen!
  • Meine Fassade von Hagebau: Eher eine pdf Broschüre mit App, die bei mir nicht läuft. Wenn ich das richtig gelesen habe, kostet das auch noch Geld. Gar nicht meins!

Am Ende entscheide ich mich für den mühsamen Weg über Photoshop. Formen ausschneiden und in Ebenen kopieren bekomme ich dabei gerade noch hin. Lediglich die Fensterläden, die noch gar nicht da sind, lassen sich nicht eingefügen. Das ist aber ok und wir haben zumindest die Möglichkeit, Farbkombinationen zu testen.

 

 

 

Einfacher wird die Entscheidung hierdurch allerdings nicht. Die aktuelle Wahl wird rasch wieder angezweifelt und neue Ideen kommen dazu. „Warum nicht weisse Fensterläden, blaue Fassade, nee, grüne Fassade, kein abgesetzter Sockel. Und der Sockel? Welche Farbe hat noch mal das Dach? Warum eigentlich grau?“ Unser Kompromiss sieht in etwa so aus:

Farblehre und die Frage nach der Fassadenfarbe_04

WObei diese Farbe irgendwie noch nicht genug ins Cappuccino-heller Kakao mit Sahne-Bonbon-mäßige geht. Da muss ich noch mal ran. Grüne Fensterläden beißen sich mit dem Kakao. Was halten wir denn eigentlich von Bordeaux??? Haben wir neulich auf dem Weg zur Arbeit an einem Haus gesehen. War natürlich ein Zuckerbäckeraltbau, is klar.

 

 

 

 

 

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